Verfasst von: rockfun | 9. November 2007

Aus gegebenem Anlass

Es ist soweit. Das iPhone ist in Deutschland angekommen!
Es findet sich kaum ein Online-Mag, dass nicht über den Start der „neuen Handygeneration“ berichtet. Wir erfahren: Der erste deutsche Käufer heißt Johannes, ist etwas übergewichtig, trägt einen Bart und eine Brille und macht einen sehr sympathischen Eindruck. Dass er sein iPhone in Köln gekauft hat, das war schon gestern klar – denn der T-Punkt in Köln war der einzige im gesamten Bundesgebiet, der einen Mitternachtsverkauf veranstaltete. Das erklärt auch, warum alle Berichte über diesen Event gleich klingen. Wartende Leute (je nach Reporter zwischen 300 und 500), Regen, Wind, Decken und Schirme von der Telekom und natürlich „gespanntes Warten“. Mit der Info, dass das Gerät für 399€ über die Theke geht und dass der Käufer über einen Zweijahresvertrag noch mal mindestens 1600€ ausgibt, enden die meisten Berichte. Die FAZ bietet immerhin noch den Service, auf Konkurrenzprodukte hinzuweisen.

Es ist ein Jammer, dass niemand auf die Perversität dieses Produkts hinweist.
Das iPhone ist mit Abstand das arroganteste Gerät unserer Gegenwart. Und damit zugleich ein Symbol unserer Gesellschaft. Kein anderer Gegenstand ist so auf „Neid“ programmiert, wie das iPhone. Apple hat das Neidmarketing perfektioniert.
Experten bescheinigen dem iPhone eine veraltete Technik. Kein UMTS, schwacher Akku, nur eine 2 Mega-Pixel Kamera. Überragend ist lediglich die Optik des Geräts. Hier vereint Apple zwei Elemente, die das iPhone zu einem Neidprodukt machen. Einerseits wirkt das Gerät elegant, professionell, überlegen und teuer. Andererseits suggeriert die Bedienung und das Layout des Displays, dass dieses Gerät ein Handy für jedermann sei.
Hierin liegt der Unterschied zum teuren Auto, zur teuren Klamotte oder zu Luxusartikeln im Allgemeinen. Sie vermitteln dem weniger gut betuchten Menschen eindeutig, dass er nicht der anvisierten Käuferschicht entspricht.
Das iPhone hingegen sagt „schau her, ich bin zwar luxuriös, aber dennoch genau für dich gemacht“. Die Umwelt nimmt diese Botschaft auf und tut so, als wäre dieses Gerät für die Allgemeinheit bestimmt. Wer daran zweifelt, dem werden die Verkaufszahlen aus den USA unter die Nase gehalten.

Bullshit. Das iPhone ist ein Luxusprodukt! Es ist nur für die Topverdiener des Landes erschwinglich. Im Verhältnis wird dies deutlich. Wer netto 1.800 € verdient und sich ein normales neues Handy kauft, wird für das Gerät etwa 200€ ausgeben – also etwa 11% seines Einkommens. Demnach müsste ein iPhone-Käufer 3.650€ netto verdienen. Die Folgekosten durch den Vertrag nicht mitgerechnet.

Eine finanzielle Elite hat endlich einen Gegenstand an die Hand bekommen, mit dem Sie in jeder Situation dezent auf den eigenen Status hinweisen kann. Der Neid ihrer Umwelt ist Ihnen dabei sicher. Es ist positiver Neid, der nicht dazu führt, die iPhonebesitzer zu Snobs zu erklären, die für alte Technik viel Geld ausgeben. Nein. Dieser Neid wird Menschen vielmehr dazu bringen, sich finanziell zu verheben.
Die Strategie geht auf. Das iPhone sitzt wie ein Stachel im Fleisch jener, die gern bei den Eliten mitmischen oder wenigstens am gleichen Tisch sitzen würden. Anders als ein BlackBerry bleibt das iPhone nicht der „Businessklasse“ vorbehalten. Es attraktiv zu finden und dennoch nicht zu besitzen, ist ein öffentliches Eingeständnis von schwacher finanzieller Potenz.
Das iPhone spaltet die Handygesellschaft.
Man mag es als genial oder gemein bezeichnen, aber genau dies ist die wirtschaftliche Konzeption des Geräts und bei genauerer Betrachtung der gesamten Marke „Apple“.


Antworten

  1. Super Kommentar! Es sollten mehr Leute geben, die sich in solcher Form über Apple äußern!


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